Akustische Ökologie

    Die Lehre der Akustischen Ökologie wurde von dem Kanadischen Klangforscher, Pädagogen und Komponisten R. Murray Schafer in den 1960er Jahren begründet. Sie untersucht das akustische Wechselverhältnis zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt. Ihr Kerngedanke ist, dass die geographische, soziale, ökonomische, religiöse, technische, künstlerische und kulturelle Beschaffenheit einer Umgebung, ihre Flora, Fauna, ihr Klima u.v.a.m. sich unmittelbar auf ihr akustisches Erscheinungsbild  (die Klanglandschaft bzw. Soundscape) auswirken, dabei gleichzeitig das Hören der dort lebenden Individuen prägen und konditionieren.

    Wo in Umwelt und Natur unangenehme Laute, Lärm, Monotonie vorherrschen, kann Schwerhörigkeit zum Überlebensprinzip werden. Ein Soundscape aus vielfältigen Lauten hingegen, vermag das Ohr zu öffnen, weil sie Hörenswürdigkeiten bietet, und trägt damit zum Bestand einer Kultur der Hörens bei.

    Was den Wald anbelangt, so steht die Vielfalt seiner Laute in direktem Verhältnis zu seinem jeweiligen ökologischen Zustand. Eintönigkeit oder Stummheit einer natürlichen Umgebung weisen auf Umweltprobleme hin. Je faszinierender und reicher sie also klingt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass ihr ökologisches Gleichgewicht entgleist ist.

    Die Akustische Ökologie ist eine wissenschaftliche Disziplin, die insbesondere (aber nicht nur) an Hochschulen und Forschungseinrichtungen in Kanada, Australien, Japan, Finnland und Griechenland weiterentwickelt wird, in Deutschland auf dem Mediencampus Dieburg (Lehrstuhl von Prof. Sabine Breitsameter). Sie hat nicht nur eine Verbesserung des ökologischen Zustands unserer Welt insgesamt zum Ziel, sondern auch eine Verbesserung der „Lebbarkeit“ und Lebensqualität in Alltag, Natur und Medien.

    Aus der Akustischen Ökologie ging zudem eine weltweite Bewegung von Pädagog*innen, Gestalter*innen, Architekt*innen, Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Medienmacher*innen hervor, die diese Ziele aktiv und praxisorientiert erreichen möchte.